Neues Konzept für Stutenschauen
Der Ausschuss für Züchterbindung und das Präsidium haben sich auf eine Neustrukturierung des Stutenschauwesens beim Hannoveraner Verband verständigt. Kernpunkte dieser Reform sind der Erhalt der Verbandsbindung an die Regionen bei gleichzeitiger Schaffung von attraktiven, in den Regionen zentralisierten Selektionsveranstaltungen.
Von Ulrich Hahne, Bo Eitenmüller und Maren Schlender
Mit dieser Neustrukturierung soll außerdem die Erfassung von Daten zur Nachzuchtbewertung der Hengste in ausreichend großem Umfang sichergestellt werden. In diesem Zusammenhang wurde zudem eine Verschlankung und Vereinfachung der Schauordnung beschlossen. Bereits während der Schausaison 2025 wurden die Grundzüge des nun beschlossenen Konzepts im Hauptamt des Verbandes entwickelt. Die Grundlage dafür bildeten die Ergebnisse eines Arbeitstreffens zwischen den Ausschüssen Züchterbindung und Zucht aus dem Jahr 2022, die seinerzeit allerdings nicht umgesetzt worden waren. Aktuelle sowie in naher Zukunft bevorstehende Rückgänge bei der Beschickung der Stutenschauen gaben den Anlass für ein erneutes Aufgreifen und Weiterentwickeln dieser Überlegungen.
Was ändert sich?
Als Instrument der Züchterbindung werden im April und Mai Eintragungstouren in den Pferdezuchtvereinen durchgeführt. Diese sollen über die Züchterhöfe führen und ausdrücklich nicht nur zentral auf ausgewählten Plätzen angeboten werden. Dabei soll es die Möglichkeit geben, auch weitere Pferde und gegebenenfalls Fohlen zur Einschätzung vorzustellen. Die Bindung des Verbandes an die Regionen kann mit dieser Maßnahme im Vergleich zur aktuellen Situation erhöht werden. Diese Eintragungstouren bilden die sogenannte Selektionsstufe 1. Die bisherigen Stutenschauen werden in den Bezirksverbänden zu zentralen Veranstaltungen zusammengefasst. Die Vorstellung von Stuten (drei- bis sechsjährig sowie Stutenfamilien) ist unabhängig von der Vereinszugehörigkeit für jeden Züchter auf allen diesen Veranstaltungen möglich. Überwiegend werden diese Veranstaltungen als Kombination aus Zuchtstutenprüfung und Stutenschau durchgeführt. Es ist das Ziel, disziplinbezogene Richtergruppen für Dressur und Springen einzusetzen. Dies beinhaltet auch den Einsatz der Testreiter. Zweijährige Stuten werden künftig nur noch innerhalb von Stutenfamilien vorgestellt. Diese in den Regionen zentralisierten Stutenschauen bilden die Selektionsstufe 2.
In der im Ausschuss Züchterbindung einstimmig verabschiedeten Beschlussempfehlung an das Präsidium wurden für einige Regionen Ausnahmeregelungen getroffen. Dort, wo diese Ausnahmeregelungen gelten, wird das Angebot der Selektionsstufe 1 nicht umgesetzt. Auf den Schaustandorten der Bezirksverbände werden die Stuten für die Herwart von der Decken-Schau durch die Bezirksverbände ausgewählt. Das Highlight der Stutenschausaison bildet dann die Selektionsstufe 3.
Zusätzliche Zuchtstutenprüfungen finden im Frühjahr und Herbst statt, um ein flächendeckendes und zeitlich über das Jahr hinweg weitgehend vollständiges Angebot für Zuchtstutenprüfungen anzubieten. Die Termine im Frühjahr werden ohne Prämierungen für Stuten angeboten, um die Bezirksschauen attraktiver zu gestalten. Die Termine im Herbst werden mit der Möglichkeit einer Prämierung stattfinden.
Vereinfachung der Schauordnung
Es können drei- bis sechsjährige Stuten zur Prämierung vorgestellt werden und bei entsprechender Qualität die Anwartschaft auf die Hannoveraner Prämie erhalten. Die Anwartschaft auf die Hannoveraner Prämie bleibt auch dann erhalten, wenn die Stute nicht fristgerecht oder gar keine Zuchtstutenprüfung ablegt. Sie wird nicht mehr aberkannt. Im Pedigree der Nachkommen wird die Stute dann als Hann.Pr.A. geführt. Da alle zur Schau vorgestellten Stuten bei entsprechender Qualität eine Prämie oder Anwartschaft erhalten können, ist eine Unterteilung in Ia-Preise und I. Preise nicht mehr notwendig. Diese entfällt künftig. Eine Rangierung der prämierten Stuten bleibt weiterhin bestehen. Absolviert eine Prämienanwärterin fristgerecht eine Zuchtstutenprüfung mit ausreichendem Ergebnis, wird sie zur Hannoveraner Prämienstute. Unabhängig davon, ob sie bereits ein Fohlen zur Welt gebracht hat oder nicht. Zukünftig wird also zwischen Hannoveraner Prämienstuten (mit Zuchtstutenprüfung) und Hannoveraner Prämienanwärterinnen (ohne Zuchtstutenprüfung) unterschieden. Die Diskussion um die Vorstellung zweijähriger Stuten wurde im Ausschuss Züchterbindung intensiv und konstruktiv geführt. Letztlich wurde eine Entscheidung dahingehend getroffen, diese jungen Stuten zukünftig nicht mehr auf Schauen vorzustellen. Eine Ausnahme bilden aktuell noch die Familien. Gegebenenfalls werden aber zukünftig weitere Stutenkonstellationen möglich werden.
Die Hannoveraner Sporttests für Dressur, Springen und Vielseitigkeit, die seit 2021 im Rahmen von Jungpferdeprüfungen angeboten werden, konnten sich in den Regionen nicht dahingehend entwickeln, dass sie als eigenständige Veranstaltungen tragfähig wären. Diese werden zukünftig nur noch im Rahmen der Hannoveraner Championate für Dressur-, Spring- und Geländepferde angeboten.
Von diesen Veränderungen wird ein längerfristig tragfähiges Prämierungssystem für die Hannoveraner Stuten und ihre Züchter erwartet. Durch den disziplinbezogenen Einsatz der Kommissionen und Testreiter soll die Attraktivität für die Vorstellung von Stuten erhöht werden. Insgesamt ist in diesem System eine einheitlichere Besetzung der Stutenkommissionen möglich. Die Ausgewogenheit der Prämierungsentscheidungen kann damit ebenfalls verbessert werden. Die Frühjahrstermine der Eintragungstouren ermöglichen zudem einen intensiveren Austausch zwischen unseren Züchtern und den Vertretern des Hannoveraner Verbandes aus Haupt- und Ehrenamt. „Wir sind der Überzeugung, dass es gut werden kann und auch gut wird, wenn es alle wollen und sich entsprechend engagieren“, sagt Zuchtleiter Ulrich Hahne.

